"Bei mir wird kein Kind mehr verstümmelt!"

Gegen Genitalverstümmlung und HIV/Aids in Äthiopien

"Ich habe damals meine Tochter selber festgehalten, als die Beschneiderin zu mir kam", sagt Nuria Bakia Hasen mit schwacher Stimme. Es ist ein alter Brauch in Äthiopien, Mädchen zu beschneiden. Mit Schaudern denkt Nuria heute an die Glasscherben und rostigen Rasierklingen zurück, mit denen ihre Tochter und unzählige andere Mädchen verstümmelt wurden.

Die 54-jährige Nuria ist Hebamme und kennt die Folgen und Gefahren der Beschneidung heute besser als damals. Sie weiß, dass der Brauch noch in vielen Gegenden Äthiopiens lebendig ist und sie kennt die körperlichen und seelischen Folgen der Verstümmelung. Auch sie selbst ist als Mädchen dem Brauch entsprechend beschnitten worden.

Heute ist Nuria eine engagierte Kämpferin gegen die Beschneidung. Vor drei Jahren nahm sie an einer Schulung des Lutherischen Weltbundes (LWB) für traditionelle Hebammen teil. Sie lernte mehr über die Folgen der brutalen und menschenrechtswidrigen Beschneidung, über moderne Geburtshilfe und Hygiene - und über HIV/Aids. Das Wissen über HIV und die Übertragungswege sind häufig katastrophal. Viele glauben immer noch, dass Aids nur eine Stadtkrankheit ist, vor der man davonlaufen kann. Deswegen sind die Hebammen für den LWB so wichtig. Denn sie können bei der Geburt das Infektionsrisiko der Kinder minimieren und ihr Wissen an die Mütter weitergeben - von Frau zu Frau.

Wie viele Äthiopier mit HIV infiziert sind, weiß niemand so genau. Die Zahlen schwanken zwischen einer und drei Millionen. Sicher ist aber, dass die meisten Infizierten Mädchen und Frauen sind. Die Beschneidung ist ein häufig unbeachteter Übertragungsweg, wenn auch nicht der einzige. Da Sexualität in Äthiopien meist ein Tabuthema ist, mangelt es auch an Aufklärung über andere Übertragungswege.

Der LWB unterstützt mit seinem Äthiopienprogramm den Kampf gegen HIV/Aids und Genitalverstümmlungen, z. B. durch die Schulungen für Hebammen. "Ich habe viel falsch gemacht, aber ich wusste es nicht besser" sagt die Hebamme Madina Arbise. Seit sie die Schulung des LWB absolviert hat, werden in ihrem Bezirk keine Mädchen mehr beschnitten und die HIV-Infektionsrate ist deutlich zurückgegangen.

Neben den Hebammen-Schulungen unterstützt der LWB auch die von Aids betroffenen Familien. Besondere Hilfe benötigen Aids-Waisen. Rund eine Million gibt es von ihnen in Äthiopien. Das LWB-Programm unterstützt sie mit Lebensmitteln und Kleidung und ermöglicht ihnen den Schulbesuch. "Ein Kind, das seine Eltern durch Aids verloren hat, wieder aufblühen zu sehen - das ist für mich Glück!" sagt Teshome Tena, ein Koordinator des Projekts.

Außerdem beinhaltet das Programm die Stärkung der Frauen. Hatten sie früher noch kaum Mitbestimmungsrechte, kommt langsam ein Umdenken in Gang. Auch die traditionelle Aufgabenverteilung ändert sich. Früher war die 34-jährige Fose Bade Ibrahim die einzige Frau des Dorfes Wallensu, die die dritte Klasse abgeschlossen hatte. Heute gehen auch die Mädchen in die Schule und die erwachsenen Frauen lernen Lesen und Schreiben in Abendkursen.

Hilfe für Äthiopien - jetzt online spenden oder auf unser Konto 419 540 bei der EKK Hannover (BLZ 520 604 10)

IHRE SPENDE HILFT!
Wie Sie helfen können

Schenken Sie Zukunft!
Spenden Sie jetzt online oder auf unser Konto 419540 bei der EKK Hannover (BLZ 52060410)

LWB-Zentrum Wittenberg
Luther2017neu

Das LWB-Zentrum Wittenberg ist ein Beitrag des LWB zur Lutherdekade. Alle Informationen finden Sie hier.


Copyright © 2017 Deutsches Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes | Datenschutz | Impressum
Publikationsdatum dieser Seite: 12.04.2017 14:31