Krieg ist kein Kinderspiel

Gitarre statt Gewalt

Minderjährige Kämpfer sind immer noch Normalität in Kolumbien. Allen Friedensverhandlungen zum Trotz werben Militär und Guerilla-Gruppen Jugendliche als Soldaten an. Jeder vierte Kämpfer ist heute ein Jugendlicher.

Marta ist gerade einmal 18 Jahre alt. Aber in diesen Jahren hat sie genug für ein ganzes Leben erlebt. "Ich war fünf Jahre bei der Guerilla-Gruppe", erzählt sie, "zwischen meinem 10. und 15. Lebensjahr." Marta, die eigentlich anders heißt, schloss sich freiwillig den Guerillas an. Die versprachen ihr ein gutes Leben. "Ich hatte Geld und Autos. Man hat mich respektiert, wie es niemand vorher gemacht hat. Es war cool!", berichtet sie. "Ich habe drei Waffen gehabt: ein Gewehr und zwei 9 mm-Pistolen." Bis in den Rang eines "Squadron Commander" stieg Marta auf. 50 Personen gab sie Befehle als sie noch nicht einmal 16 Jahre alt war.

Eine Verletzung als Chance

Dass Jugendliche sich freiwillig einer bewaffneten Gruppe anschließen, gibt es genauso, wie sie es nur nach Zwang tun. Die Gruppen locken die Heranwachsenden mit Versprechungen von Abenteuer und Verantwortung. Einmal mitgemacht, wächst der Druck. Dann werden auch Drogen, sexuelle Gewalt und Einschüchterung genutzt, um die Jugendlichen gefügig zu machen. Aus einer Guerilla-Gruppe wieder herauszukommen, ist fast unmöglich, egal wie man dazugekommen ist. Für Jugendliche ist der Bürgerkrieg ein gefährliches Feld. Auch wenn nicht alle aktiv kämpfen, sondern als Boten, Späher oder Träger eingesetzt werden, werden viele verletzt oder getötet.

Dass Marta heute nicht mehr eine Kindersoldatin ist, verdankt sie einem Zufall. Sie wurde am linken Fuß und der rechten Hand verwundet. Die Guerillas gaben ihr vier Monate zur Heilung. Diese Chance nutzte ihre Mutter und überzeugte Marta aus diesem gefährlichen Leben auszusteigen. Nur wie?

Unterschlupf für Aussteiger

Mit Hilfe des Lutherischen Weltbundes fand sie Unterschlupf bei einer Partnerorganisation des LWB in Bogota. Benposta ist eine Art Kinderdorf. Hier können Jugendliche untertauchen, die nicht gefunden werden dürfen. "Ich war vier Jahre hier", erzählt Marta. "Ich habe mit einem Psychologen gearbeitet und bin Benposta sehr dankbar. Diese Erfahrung hat mir ein neues Leben beschert." Heute wohnt Marta wieder bei ihrer Mutter. Sie ist nicht mehr in Gefahr und hofft auf ein normales Leben. Sie ist ja erst 18 Jahre. "Ich würde gerne eine Ausbildung als Buchhalterin machen und Gitarre lernen", fasst sie ihre Pläne für die Zukunft zusammen.

Gitarre statt Gewalt - für Marta hat es geklappt. Aber in ganz Kolumbien wachsen Kinder in einer Gesellschaft auf, die von Gewalt geprägt ist. Auf fast jeder Brücke steht eine bewaffnete Patrouille. Stadtteile sind zwischen den Guerilla-Gruppen aufgeteilt. Der Lutherische Weltbund unterstützt in Kolumbien lokale Organisationen, die mit Kindern und Jugendlichen an einem Gegenentwurf zu dieser gewalttätigen Gesellschaft arbeiten. Ein weiterer Partner betreibt zum Beispiel ein Jugendzentrum. Dort finden Jugendliche geschützte Räume, können mit Kunstprojekten ihre Gewalt-Erfahrungen aufarbeiten und eine zweite Chance bekommen. So wie Marta. Sie sagt zurückschauend: "Ich habe den schlechten Pfad verlassen und werde niemals darauf zurückkehren!"

 

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Publikationsdatum dieser Seite: 2017-03-10