Nepal

LWB leistet Nothilfe nach Erdbeben in Nepal

Notfallteam des LWB sofort zur Stelle

Glück im Unglück: Das Notfallteam des LWB für Asien ist in Kathmandu stationiert. Daher war der Lutherische Weltbund eine der ersten Organisationen, die mit der Nothilfe begannen. 
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"Das Haus schaukelte wie ein galoppierendes Pferd", erzählt Mahendra Shresta von dem Erdbeben. "Wir waren alle drin, im obersten Geschoss. Wir konnten uns noch nicht einmal an einander festhalten." Seine Schwester ergänzt: "Alles schlingerte von einer Seite zur anderen." Und sie fährt fort: "Als es aufhörte, hat sich das angefühlt, wie wenn man aus einem Boot steigt. Ich konnte nicht geradeaus laufen. Sogar jetzt bebe ich innerlich noch."

Die Familie schaffte es nach draussen, bevor das Dach einstürzte. Seither kampiert sie im Freien, ihr einziger Schutz eine mit Stöcken aufgespannte Plane. "Wir trauen uns nicht, ins Haus zurückzugehen", erklärt Mahendra. "Es hat das grosse Erdbeben 1934 überstanden, aber jetzt hat es überall Risse."

Vielzahl provisorischer Lager

Mahendra und seine Angehörigen sind eine von 175 Familien, an die der Lutherische Weltbund (LWB) in den ersten Tagen nach dem Beben Planen und Fertignahrung verteilt hat. Sie leben in einem der 16 offiziellen Lager in Kathmandu, dazu kommen hunderte weitere provisorische Lager.

In Bhaktapur vor den Toren von Kathmandu, wo Mahendra herstammt, sind die Zerstörungen am grössten. Die Menschen dort haben nur kleine Einkommen und leben in alten Ziegelhäusern, von denen durch das Beben der Stärke 7,9 am 25. April viele schwer beschädigt wurden. Eingestürzte Dächer, Schutt auf den Strassen und breite Risse in den Fassaden machen klar, die meisten Häuser in Bhaktapur sind nicht mehr sicher.

Um zu der Familie vorzudringen, müssen sich BesucherInnen und Hilfskräfte einen Weg zwischen Zeltleinen und kleinen Gräben suchen, die den frühen Monsunregen von den wenigen Habseligkeiten wegleiten, die die Menschen retten konnten. "Ich habe noch nie ein Erdbeben erlebt", sagt eine Frau. "Es fühlte sich an wie eine ganze Stunde. Ich hatte solche Angst."

Am dringendsten brauchen die Obdachlosen nach eigenen Worten Unterkünfte, Wasser und Lebensmittel. "Diese Plane ist nicht gross genug für uns alle", stellt Mahendra fest. "Der Wind bläst darunter hindurch und bei Regen ist sie undicht. Wer in den Ecken schläft, wird nass, und die Feuchtigkeit steigt vom Boden auf."

Auch die Hygiene wird zum Problem. Man wäscht sich an öffentlichen Brunnen und in Ritualbädern, überall ist Kleidung zum Trocknen aufgehängt. Weit und breit sieht man keine Toiletten. Die Menschen beginnen bereits, Masken zu tragen, wenn sie auf die Strasse gehen, um sich vor Infektionen zu schützen.

Zugang zu entlegenen Gebieten

In den Zeltstädten überall in Kathmandu findet man Menschen, deren Häuser eingestürzt oder beschädigt sind, aber auch andere, deren Häuser noch stehen und keine Schäden haben. Zwar hat es schon mehr als einen Tag lang keine Nachbeben mehr gegeben, aber die Menschen fangen erst jetzt langsam an, in ihre noch intakten Häuser zurückzukehren. Ausser dem Tod, den Verletzungen und Zerstörungen, die das Erdbeben verursacht hat, ist es auch verantwortlich dafür, dass die Menschen in Kathmandu ihre innere Ruhe eingebüsst haben.

 "Nach ein paar Tagen werden diejenigen, die die Möglichkeit haben, in ihre Häuser zurückkehren und dann sehen wir klarer", erläutert Duane Poppe vom LWB-Team. "Dann fängt die langfristige Arbeit wirklich an." Derzeit entsendet der LWB Sondierungsteams in entlegenere Gebiete. Je mehr Strassen geräumt werden, desto höher steigen mit den Nachrichten über vollständig zerstörte Dörfer die Opferzahlen.

Das Team des LWB stützt sich bei seiner Nothilfearbeit auf kurzfristige Lageeinschätzungen auf der Grundlage von Behördenberichten und Erkenntnissen von Mitarbeitenden, die häufig selbst aus der Region stammen.

"Wir arbeiten seit 30 Jahren mit diesen Menschen", erklärt der Direktor des LWB-Programms in Nepal, Dr. Prabin Manandhar. "Wir kennen sie. Nachdem unser Team jetzt voll einsatzfähig ist, werden wir alles tun, um ihnen zu helfen."

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Jetzt spenden: Ein Paket Fertignahrung kostet circa 25 €. Es sichert die Ernährung einer Familie für eine Woche.

Nepal: Hunderte Familien erhalten lebensrettende Soforthilfe

(LWI) - Die Nothilfe nach dem Erdbeben, das am Samstag in Nepal über 4 000 Tote forderte und schwere Schäden verursachte, ist im Gange. Als erste Reaktion verteilte der Lutherische Weltbund (LWB) am Wochenende Zeltbahnen, Hygieneartikel und Fertignahrung für rund 400 Familien in Kathmandu. Der LWB hat ein komplettes Nothilfeteam in Nepal im Einsatz. "Wir haben mehr als 100 ausgebildete Mitarbeiter in der Region und arbeiten schon seit Jahrzehnten mit den Menschen in den betroffenen Regionen", fasst Roland Schlott, Nothilfe-Koordinator des LWB, zusammen.

Die Versorgung mit Wasser, das Aufrechterhalten sanitärer Standards sowie die Verteilung von Hygieneartikeln stellen die höchsten Prioritäten der LWB-Aktivitäten dar, ebenso wie die Bereitstellung von Notunterkünften für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben oder die aus Angst vor den Nachbeben im Freien wohnen. "Es gibt 100 Nachbeben jeden Tag. Jedes Mal wenn es anfängt zu wackeln, rennen die Menschen ins Freie", berichtet Laxman Niroula, Mitarbeiter des LWB in Kathmandu. "Gestern gab es ein starkes Nachbeben. Die Menschen hier weinen, sie sind verängstigt." Außerdem stellt die Erkundung der Lage in den abgelegenen Gebieten eine weitere Priorität des Lutherischen Weltbundes dar.

Laxman und seine KollegInnen haben in den letzten 48 Stunden kaum geschlafen. Seitdem sich das Erdbeben am Samstagmorgen ereignete, kümmerte sich das Einsatzteam um die Menschen in Not. "Wir waren selber an der Rettung unserer Nachbarn beteiligt", beschreibt Laxman. "Ein fünfstöckiges Haus stürzte ein - mit acht Menschen drinnen. Wir zogen zwei raus, andere konnten sich selbst befreien."

Dabei sind auch die Mitarbeitenden des LWB von dem Erdbeben betroffen. "Wir sind jetzt auch Heimatlose", so Laxman. "Wir haben eine Zeltplane über einer Matratze aufgespannt. Meine Familie und ich schlafen jetzt auch im Freien." Die Nachbeben verschärfen die Situation für die vielen Menschen, die bereits ihr Zuhause verloren haben.

Der LWB hat eine Mitgliedskirche in Nepal. Die Evangelisch-Lutherische Kirche Nepals liegt im Osten des Landes, abseits des Epizentrums des Erdbebens. Die Kirche meldet, dass alle Mitglieder sicher sind und den schlimmsten Auswirkungen entgehen konnten.

Mit seinem Weltdienstprogramm ist der LWB seit 1984 in Nepal mit Programmen des Katastrophenschutzes und -vorbeugung, der Förderung nachhaltiger Lebensgrundlagen und gemeindebasierten Aktionen aktiv. Außerdem ist Kathmandu der Sitz des regionalen Soforthilfe-Zentrums des LWB in Asien. Die Nothilfe des LWB erfolgt koordiniert mit der nepalesischen Regierung, den Vereinten Nationen sowie dem lokalem Forum der ACT Allianz.

Seit 1984 ist der LWB bereits in Nepal mit Programmen des Katastrophenschutzes und  der -vorbeugung sowie Förderung nachhaltiger Lebensgrundlagen aktiv. Außerdem ist das Notfallteam für Asien in Kathmandu stationiert.

Das hat sich nun in der Situation als besonders segensreich erwiesen. Der LWB  konnte dadurch - unbetroffen von den Schwierigkeiten ausländischer Hilfsorganisationen, Nepal zu erreichen - nach nur wenigen Stunden mit der Nothilfe beginnen. In den ersten 48 Stunden hat der LWB bereits über 400 Familien versorgt - mit Fertignahrung, Notunterkünften und Hygieneartikeln. Inzwischen legt sich das Chaos und die Strukturierung der Hilfe nimmt Gestalt an. Allerdings ist die Situation in den entlegeneren Gebieten außerhalb der Hauptstadt noch völlig unklar.

Der LWB verfügt über eine Vielzahl ausgebildeter Mitarbeitenden, Vorräte und Nachschubstrukturen in der Region. Er ist die einzige Mitgliedsorganisation der ACT Allianz, die über eine so große Kapazität in Nepal verfügt. Daher stellt sich der LWB auf große Aufgaben ein. Wenn Sie den LWB und die Menschen in Nepal unterstützen wollen, danken wir Ihnen für Ihre Gebete und ihre Spenden. Gerne können Sie für Letzteres das beiliegende Blatt verwenden. Ein Paket Fertignahrung kostet circa  25 €. Es sichert die Ernährung einer Familie für eine Woche. Es wird aber noch lange dauern, bis wieder wirkliche Normalität einkehrt. Vielleicht können Sie die Nothilfe und den Wiederaufbau auch mit einem monatlichen Betrag unterstützen? Das würde uns langfristig helfen.

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Publikationsdatum dieser Seite: 10.03.2017 12:44